Interview / Maielin van Eilum

Die verletzte Welt

Alea Horst im Interview

UTIYA Magazine

Liebe Alea Horst, Du reißt als Fotografin um die Welt, ohne Englisch zu sprechen. Wie verständigst Du Dich?

ALEA HORST

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Du bezeichnest Dich als Angsthase. Als Du im April 2019 für SOS-Kinderdörfer erst nach Damaskus reisßest, waren noch zwei Monate zuvor Bomben auf die Stadt gefallen und deine zweite Stadtion Aleppo reistest, erlebten die Städte bereits drei Jahre keinen Bombenhagel mehr, aber Terroranschläge, Entführungen und eine geschlossene deutsche Botschaft, sind nicht die Merkmale eines sicheren Urlaubslandes. Wie kamst Du auf die Idee? 

 

Wie kamt ihr dahin?

 

Es gibt kein Creditkartensystem mehr, wo hattest du Dein Bargeld sicher einglagert?

 

Wo habt ihr geschlafen?

 

Hast Du noch Kontakt?

 

Der Tourismus geht wieder los. Was hälst Du vom Kriegstourismus?  

Sicherlich galt die syrische Stadt Aleppo 2019 bereits wieder als befriedet, aber hatten Sie keine Bedenken nach Syrien zu fahren?

 

war der war die Syrische Stadt Aleppo 2019 bereits drei Jahre befreidet. bereits möglicherweise haben wir von dem Wort eine unterschiedliche Definition von dem Wort. 2019 war Aleppo schon befriedet, aber auf die Idee dahin zufahren, muss man erst mal kommen. Wonach suchtest Du in Syrien?

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Du bist eigentlich Hochzeitsfotorafin. Ich selbst habe in dem beruf gearbeitet, und empfand ihn als schwierig. 

 

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Kinderarbeit in Bangladesh offizail erst ab 14 Jahren, jedes 10 Kind muss arbeiten. 

Das dritte Bild war wieder leicht unscharf und dann standen seine Leute schon vor mir: "Das war so nicht ausgemacht!" Aber ich hatte mein Bild, ein ernstes, ganz offenes available light-portrait von Tom Cruise.

 

Für mich ist ein gutes Foto etwas Archaisches. So wie ein ausgehungertes Rudel Löwen auf ein Gnu springt, agiere ich, wenn ich ein gutes Bild sehe.

Motivation ist noch wichtiger als Talent. Bei einem Gipfel in Baden Baden wartete ich vier Stunden. Sie gaben mir eine Minute für ein Merkel / Obama Bild. Ich ging ins Risiko, setzte 40 Sekunden dafür ein und 20 Sekunden, um mein Bild von Barack Obama zu machen.

 

Ich wußte nicht, ob ich je wieder diese Chance erhalte und hatte wieder nur drei Auslösungen.

 

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„Das nehmen wir aber nicht“, sagte sie. Es ist heute mein Lieblingsbild von ihr.

 

Ist es Dir je passiert, dass sich Menschen im Nachhinein beschwert haben?

 

Ja (lacht). Ich habe mal eine LKW-Ladung ausgestopfter Tiere in den Berliner Tiergarten schaffen lassen, Windmaschine, Laub… um Heino in einem völlig überzogenen deutschen Set zu fotografieren.

Später im Hotel machte ich noch ein hartes Schwarz-Weiß-Foto im seitlichen Fensterlicht. Ich zeigte es ihm auf meiner Kamera, er war einverstanden, ich gab es mit ab.

 

Der Chefredakteur, Walter Mayer, hatte es über die Doppelseite gezogen und am Sonntagmorgen denke ich: „Oh geil!“, da klingelte schon mein Telefon, Heinos Ehefrau Hannelore: „Was fällt Dir ein! Da machen wir so viele schöne Bilder und jetzt dieses!“, und sie weint und weint und weint. Und ich so: „Oh Gott, oh Gott.“

Und dann hat sie sieben Mal angerufen: „Du bist ein gemeiner Mensch! So etwas Gemeines! Wir arbeiten nie wieder mit Dir! Nie mehr!“

Abends beim letzten Anruf: „Also, mein Mann findet es ja auch gut, aber ich ... ich ... ich finde es schrecklich!“

 

Letztes Jahr hatten wir wieder einen Termin. Sie konnte sich gar nicht mehr daran erinnern, Heino hingegen durchaus: „Mir hat es gefallen, ich habe mich wie Johnny Cash gefühlt.“

 

Ich finde das Bild auch toll. Dafür habe ich praktisch einen Sonntag lang Hass abbekommen. Ich denke, sie wollte ihren alt gewordenen Mann so nicht sehen.

 

Und wie war Leni Riefenstahl?

Verrückt! Sie erzählte mir, dass sie gerade mit ihrer Bank über einen Kredit verhandelt. Um neue Fotokunst zu machen und für ihr Archiv. Das Interview war zu ihrem hundertsten Geburtstag.

Sie wurde 101, ein Jahr Zeit.

Positiver kann ein Mensch nicht denken. Natürlich war es toll, einen Menschen der Zeitgeschichte zu treffen. In diesem Fall ein zweischneidiges Schwert. Sie strahlt auf meinem Foto, aber ich vergaß nicht, welche Leichen sie im Keller hat.

 

War sie sympathisch?

Das ist ja das Schlimme an diesen Leuten, dass sie sympathisch sind! Als ich Helmut Kohl das erste Mal fotografierte, dachte ich: „Oh Gott, ich fasse es nicht, wie geht denn das, was für ein lustiger Typ.“ Der machte einen Witz nach dem anderen, war authentisch und klasse (Frank Zauritz sinkt in sich zusammen).

 

So hat der Politik gemacht, da braucht man Verbündete, er hatte die Fähigkeit Menschen einzubinden, verbindlich zu sein. Das war auch sein Problem, denn so amüsant durfte er als Bundeskanzler im Fernsehen nicht sein. Deshalb hatte er keine mediale Wirkung, die haben nur Menschen, die vor Kameras eins zu eins sie selbst sind.

In vielen Religionen glaubt man, ein Fotograf stiehlt die Seele eines Menschen, empfindest Du das auch so?

Das stimmt, die Frage ist nur, nimmt man die Seele und packt sie in den Himmel oder in die Hölle? Das ist genau, wo die Probleme anfangen. Stehst du auf der guten Seite und hast eine saubere Motivation, oder ist dir das Böse egal? Manipulierst du oder handelst du sauber?

 

Wenn ich mit Menschen und ihren Fotos nicht respektvoll umgehe, stehle ich eine Seele auf jeden Fall: Meine eigene.

 

Deine erste Kamera kauftest Du Dir mit achtzehn von einem 1.555 D-Mark Lottogewinn und hieltest Dich als Kindergarten-Fotograf über Wasser. Wann stelltest Du fest, dass Du Talent hast?

Talent ist, wenn man sich quält und das gar nicht bemerkt.

 

Vielen Dank für das Interview. Demnächst würden wir gerne wissen, wie man als Kriegsfotograf Kugeln ausweicht und wo man abends in der Hauptstadt Nordkoreas am besten essen geht.

Fotograf Frank Zauritz

Autorin Maielin van Eilum

Credits

Lektorat Ada Delsolco und Marie Nürnberg

Frank Zauritz

Porträt und Reportage Fotograf

www.frankzauritz.de

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DIE NORDKOREA REISE

Frank Zauritz bereiste fünf Tage die Demokratische Volksrepublik Korea. Anders als seine Arbeitsweise unter normalen Bedingungen sieht er sich durch die strengen Auflagen und Verbote herausgefordert wie ein Kind die ihm vorgeführte Propaganda zu unterlaufen. So findet er neben und in der vorgegaukelten Künstlichkeit Bilder die Fragen aufwerfen. Das von Indoktrination und Manipulation geprägte Regime bleibt glaubwürdige, der Wirklichkeit der Menschen im Land, entsprechende Antworten schuldig. Es gab Momente auf dieser Reise, in denen der trübe Schleier der Propaganda plötzlich klar wurde und das Leben durchschien. Ein Land der Rätsel und Absonderlichkeiten, skurril und manchmal einfach schön. 

Eine Reise in die Demokratische Volksrepublik Korea.

116 pages, 100 color photos.

Available in two versions :Paperback Photobook in 18×18 cm

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TIMMERBERGS TIERLEBEN

 

von Helge Timmerberg und Frank Zauritz , Heinz Sielmann Vorwort,

‘Bis heute hat (Alligator) Eugen noch keinen Besucher gefressen. Keinen, von dem man weiß. Denn was er kriegt, verschlingt er nicht nur mit Haut und Haaren, sondern zur Not auch mit Personalausweis.’

Doch keine Angst vor wilden Tieren. Helge Timmerberg ist für uns furchtlos durch die Zoos gezogen und hat sie alle besucht: Eisbär Lars, Hornfisch Heinz oder Walross Antje.

Mit großer Sympathie für die Tiere entdeckt Timmerberg bei ihnen menschliche Züge. Er beschreibt ihre unterschiedlichen Liebes- und Jagdtechniken, die verblüffen, erschauern lassen aber immer wieder auch für äußerste Heiterkeit sorgen.

Illustriert mit über 50 Farbfotografien von Frank Zauritz, die ungewohnte, ja auch skurrile Seiten der Tiere herausstellen, ist ein Buch entstanden, das nicht nur zum Schmunzeln verleitet, sondern bei dem man auch etwas lernen kann.

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